Pressearchiv:   Presseberichte 12/2002 bis 01/2003


Leser-Umfrage: Wohin sollen die drei alten Wupperkähne
"Einigkeit", "Recht" und "Freiheit"?

Die alte Mündung soll es sein

Traditioneller Standort bevorzugt, aber auch Voten für die neue Wuppermündung

Die Redaktion bat die Leserinnen und Leser um ihre Meinung:
Wohin sollen die restaurierten alten Wupperkähne?


VON THOMAS ESCH

Antworten auf diese Frage gab es reichlich. Die große Mehrheit sprach sich für den bisherigen Standort in der alten Wuppermündung aus. Jahrzehntelang war das Trio, der Klipper "Einigkeit", der Aalschokker "Recht" und die Tjalk "Freiheit", beliebtes Ausflugsziel am Rhein zwischen Wiesdorf und Rheindorf. 1995 gründete sich der "Förderverein Schiffsbrücke Wuppermündung". Sein Ziel: Das Ensemble, das auch immer wieder Ziel blinder Zerstörungswut war, zu erhalten, restaurieren zu lassen, und wieder an seinem angestammten Platz anzusiedeln.

Die Arbeiten, ausgeführt im niederländischen Lemmer, wohin die Schiffe geschleppt worden waren, sind bald beendet. Die Zeit war reif für einen Streit. Sollen die Drei wieder an den recht abgelegenen Ort und möglicherweise wieder Vandalismus ausgeliefert werden, oder sind sie nicht besser in der neuen Wuppermündung, näher an bewohntem Gebiet, oder gar im Hitdorfer Hafen untergebracht?

Der Förderverein wandte sich mehrmals strikt gegen einen neuen Standort. Und offensichtlich kann er sich damit großer Rückendeckung aus der Bürgerschaft sicher sein. Das Ergebnis der Leser-Aktion des "Leverkusener Anzeiger" ist natürlich nicht repräsentativ, aber es spiegelt ein Stimmungsbild wider. Einzelne Leser sehen durchaus Standort-Alternativen. Nur ein einziger Leser allerdings sprach sich für den Hitdorfer Hafen aus. Dagegen wandten sich gleich mehrere.

Leider können an dieser Stelle nicht alle Meinungen wiedergegeben werden, auch Kürzungen waren nicht vermeidbar. Herzlichen Dank allen, die mitgemacht haben!

Zeitungsartikel




Die drei Schiffe gehören wieder an ihren alten Platz, in der alten Wuppermündung. Wir finden es eine Frechheit, dass darüber diskutiert werden muss. Muss man alles zerstören, was gut war? Das alte Rathaus war auch eine Augenweide.
K.+E.G.


Gespendet wurde für die Wiederherstellung der Schiffsbrücke in der alten Wuppermündung - nur dafür! Zur Dekoration des Hitdorfer Hafens können sich die dort ansässigen Yachtclubs etwas einfallen lassen.
H.S.


Ich bin dafür, dass die drei Kähne wieder dahin zurück kommen, wo sie hingehören. Die Stadt soll sich da 'raus halten. Jetzt, wo viel Geld und Arbeit geleistet wurde, will sie sich einen Teil des Lobes einsacken. Hätte dieser Verein nicht die ersten Schritte eingeleitet, die Stadt hätte nichts unternommen, um die Kähne zu sanieren (Beispiel: Schloss Reuschenberg!).
M.M.


Mein Vorschlag: Setzen Sie die Kähne mitten in das Gelände der Landesgartenschau als einen Blickpunkt. Es ist nun mal eine Gartenschau am Rhein bzw. Wasser.
A.E.


Der neue Standort für die drei Kähne sollte der alte bleiben. Dort sollte das biergartenähnliche Ensemble viele Besucher anziehen, die sich nicht nur an Bier und Rheinischem, inklusive frisch gefangenem Rhein- und Wupperfisch laben (denn die sind längst wieder essbar), sondern sich auch ärgern können über die trostlose landschaftliche Umgebung. Vielleicht entsteht so der politische Druck, hier positiv landschaftsgestalterisch aktiv zu werden.
K.N.


Ich nehme mir das "Recht" und die "Freiheit" und hoffe sehr bald auf "Einigkeit" bezüglich der drei alten Leverkusener Kähne. Da bald eine Landesgartenschau erblühen soll in Leverkusen, wäre doch an der Wuppermündung die Unterbringung dieser Kähne ein Vorzeigeobjekt, ein Wanderziel und auch eine Erinnerung. Zwischen Wiesdorf und Rheindorf besteht doch diesbezüglich mit Sicherheit "Einigkeit".
H.K.


Die renovierten Schiffe gehören an ihren angestammten Platz, die alte Wuppermündung. Vielleicht färbt ihr neuer Glanz auch ein wenig auf die Umgebung ab. Dank und Hochachtung für die Initiative des Fördervereins Schiffsbrücke Wuppermündung.
U.F.


Die Diskussion über den Standort der historischen Schiffsbrücke wird nun seit der Gründung des Fördervereins im Jahre 1995 geführt, wobei die alte Wuppermündung bisher favorisiert wurde. Dies lag im Wesentlichen daran, dass die Untere Denkmalbehörde bisher diesen Standort zwingend vorschrieb und es sich um den historischen Ankerplatz der Schiffe handelt.
Mittlerweile stellte sich heraus, dass für diese Meinung kein zwingender Grund vorliegt. Das Hitdorf ins Gespräch gebracht wird, ist verständlich, wird aber der Historie nicht gerecht.
Ich plädiere als Standort für die neue Wuppermündung, da die alte, außer der Historie, zu viele Nachteile hat. Stehendes Wasser lässt die Schiffe schneller rosten. Der Publikumsverkehr ist wesentlich höher. Gastronomie würde lohnender.
R.E.


Die drei Schiffe sollen in die neue Wuppermündung! Die Schiffe mit Gastronomie direkt am Leverkusener Rad- und Wanderweg längs der Wupper ist dann für die gesamte Leverkusener Bevölkerung ein interessanter Anlauf- und Treffpunkt. Außerdem wertet es den Stadtteil Rheindorf erheblich auf. Wir alteingesessenen Rheindorfer wissen aus der Vergangenheit sehr gut, wie es früher in Bezug auf Sicherheit und auch mit der so genannten Gastronomie im alten abgelegenen Wupperbett ablief. Man kann kaum allein, erst recht nicht als Frau, diesen abgelegenen Standort ohne Risiko aufsuchen.
H.A.


Wohin nur mit der historischen Schiffsbrücke? Nur nicht nach Hitdorf, dann lieber in die neue Wuppermündung, denn die Schiffe gehören nach Rheindorf wie die St.-Aldegundis-Kirche. Sollten die Schiffe ihren "Heimathafen" in Hitdorf bekommen, sehe ich die Gefahr, dass heute oder morgen die Schiffe als Vereinslokal der ansässigen Jachtklubs genutzt werden und die Allgemeinheit keinen Zutritt mehr hat.
W.L.


Ein echter Schlager

Mit verändertem Text und nach der Melodie "Mer losse d'r Dom en Kölle"
teile ich Ihnen meine Meinung mit.
"Stell dir för, de Kaufhof stünd o'm Ropenstall, /
stell dir för, et Paulinche stund o'm Kump.
Am Rüscheberch do wör vielleich et Rothus /
im Eisholz stund dann die Herz-Jesu-Kirch.
Do wöss mer üverhaup nit, wo mer hinjonn sullt, /
doröm es dat eine janz jewess.
Mer losse die Schiff in Ringdörp, /
denn do jehorn se hin.
Wat sulln die dann woanders, /
dat hätt doch keine Senn.
Mer losse die Schiff in Ringdörp, /
denn do sen se zu huss.
F.O.


Seit 40 Jahren sehe ich in meinem Arbeitszimmer auch auf die "Einigkeit, Recht, Freiheit". Es ist ein Gemälde von Peter Sistinich, der ehemals Baurat in der Stadt Opladen war. Diese drei Schiffe gehören an die Stelle, die der Förderverein bestimmt hat: neben den angestammten Platz der alten Wuppermündung, als Brücke zwischen Wiesdorf und Hitdorf. Die Stadtverwaltung hat keine Rechte.
R.B.


Um den nun gut restaurierten Schiffen einen optimalen Liegeplatz zu geben, schlage ich vor, sie an Land an exponierter Stelle aufzustellen. Es gibt kein Hoch- und Niedrigwasser mit seinen besonderen Problemen, der Liegeplatz ist zu jeder Zeit kontollier- und erreichbar, der Aufwand für Pflege und Unterhaltung ist wesentlich geringer, es entsteht ein neuer attraktiver, publikumsnaher Treffpunkt. Wenn ich in Rheindorf stehe, dort, wo sich das alte Kriegerdenkmal befindet, könnte ich mir diesen Ort vorstellen, hoch über der Wupper mit Blick auf den Rhein.
H.H.


Es war mehr als nur eine Schnapsidee (von wem?), die drei Kähne weiter nach Norden zu verlegen, nachdem der Förderverein unter großen Mühen die hohen Renovierungskosten ins Trockene gebracht hat - unter der Prämisse und Selbstverständlichkeit: Rückkehr an den alten Standort.
M.Z.


Ich habe dem Förderverein Geld gespendet, um die drei alten Kähne wieder in Schuss zu bringen und anschließend wieder an ihren alten Standort in der alten Wuppermündung zu bringen. Wir möchten wieder Ausflüge dorthin machen.
K.F.


Wenn es auf lange Jahre gesichert wäre, dass das Gelände der alten Wuppermündung zu einem attraktiven Erholungsgebiet umgebaut wird, so wäre ich der letzte, der die Schiffe nicht dort gerne sehen würde. Aber was sollen die Schiffe dort, so lange sich dort nicht der Igel und der Hase, sondern eher die Ratte und der Persilkarton gute Nacht sagen. Als zurzeit kostengünstigste Alternative schlage ich vor, diese historischen Kähne in das neue Wuppermündungsgelände zu installieren.
A.D.


Ich möchte den Leuten des "Fördervereins Schiffbrücke Wuppermündung" ein großes Kompliment aussprechen. Ihr Einsatz für die Sache kann nicht genügend honoriert werden. Aber was passiert im Moment, die städtischen Behörden melden sich zu Wort, erwacht aus einem jahrelangen Winterschlaf. Jetzt versuchen sie das für die Stadt schon fast vergessene alte Ausflugsziel für sich zu gewinnen. In den Jahren zuvor (ca. 1980 - 1985), wo einzelne Rheindorfer den Erhalt der Schiffsbrücke aus eigener Tasche bezahlt haben, haben sich die öffentlichen Stellen ganz ruhig gehalten. Ich finde es charakterlos von der Stadt, wenn sie versucht, die Wünsche des "Fördervereins Schiffsbrücke Wuppermündung" zu untergraben.
H.N.


Dass die Wupperkähne nun, nach ihrer Renovierung, in den Hitdorfer Hafen gelegt werden sollen, ist ein Unding. Meines Erachtens und laut Meinung meiner Kameraden gehören die Kähne wieder in die alte Wuppermündung, um dann beides, die Kähne und die alte Mündung, für die Zukunft zu erhalten.
H.H. (Backsältester der Seniorenback ehemaliger Mariner Leverkusen)




"Verein nicht entmündigen"

Zur Leseraktion meldete sich die Bürgerinitiative "Wohnliches Wiesdorf" zu Wort. Das Schreiben des Vorsitzenden Wolfgang Otternberg in Auszügen.

"Wir sind bestürzt über die Absicht, die Wupperkähne "Einigkeit" und "Recht" und "Freiheit" an eine andere Stelle zu verlegen. Sei es als Einzelobjekte im Hitdorfer Hafen oder als Ensemble an die neue Wuppermündung. Wir halten jede Verlegung für falsch, handelt es sich doch bei diesem Schiffsensemble um ein Objekt, dass in der Region einmalig ist und das in dieser Form und Gesamtheit daher auch aus gutem Grund unter Denkmalschutz gestellt wurde. Es ist für uns vollkommen unverständlich, wie ein derartiges Ansinnen überhaupt zustande kommen kann.

Der Wunsch der Bevölkerung ist eindeutig: Die Schiffe "Einigkeit" und "Recht" und "Freiheit" gehören zusammen, und sie gehören in die alte Wuppermündung! Ihr Standort zwischen Wiesdorf und Rheindorf hat nicht nur historische Bedeutung, sondern war bisher auch für viele Wiesdorfer Bürger und Bürgerinnen ein lohnendes Wanderziel. Nicht nur der Japanische Garten gehört zum Pflichtbesucherprogramm der Leverkusener Gäste, auch die Schiffe an der Wuppermündung sind und bleiben ein Geheimtipp. Viele Leverkusener haben an schönen Sommertagen die Schiffe besucht und in der kleinen Restaurant einen Imbiss verzehrt.

Ein Förderverein, der sich seit über sieben Jahren dieser Schiffe annimmt, der immer wieder mit Spendenaufrufen für die Restaurierung geworben hat und der diese Restaurierung auch erfolgreich abschließen wird, soll nun von der Stadt quasi "entmündigt" werden. So geht das nicht! Dies ist schlechter Stil, den man nicht akzeptieren kann. Zu beachten gilt auch, dass die beträchtlichen Spendengelder sicherlich zweckgebunden sind. Will heißen, die Spender und Spenderinnen haben ihr Geld für die Restaurierung des historischen Schiffsensembles gegeben und wären mit einer Teilung oder der Verlegung der Schiffsbrücke sicherlich nicht einverstanden."




Großes Echo auf Umfrage

Sehr rege beteiligten sich die Leserinnen und Leser an der Umfrage der Redaktion: Wohin mit der Schiffsbrücke?

VON THOMAS ESCH

Zahlreiche Briefe, Postkarten und Faxe erreichten die Redaktion. Sie werden zurzeit ausgewertet. Jetzt schon steht aber fest, dass aufgrund der Vielzahl der Zuschriften nicht alle veröffentlicht werden und ebenso Kürzungen vorgenommen werden müssen. Der "Förderverein Schiffsbrücke Wuppermündung", 1995 gegründet, hat es sich zum Ziel gesetzt, die drei Schiffe, den Klipper "Einigkeit", den Aalschokker "Recht" und die Tjalk "Freiheit" wieder in Schuss bringen zu lassen - was bald gelungen sein wird. Jahrzehnte lag das Boots-Trio in der alten Wupper-Mündung, verbunden mit Stegen, ausgestattet zeitweilig mit einer kleinen Gastronomie.

Zur Restaurierung wurden die Schiffe ins niederländische Lemmer gebracht. Der Verein sammelte dafür eine Viertel Million Büro. Nun sind die Arbeiten fast abgeschlossen. Prompt kam es zur Diskussion. Oberbürgermeister Paul Hebbel (CDU) beispielsweise stellt sich einen neuen Ankerplatz in der neuen Wupper-Mündung vor. Andere sprachen sich für den Hitdorfer Hafen aus. Der Förderverein pocht auf den alten Standort.

Die Redaktion fragte die Leserinnen und Leser nach ihrer Meinung. Das Echo war - wie gesagt - sehr groß. Weitere Zuschriften können nun leider nicht mehr berücksichtigt werden. Über das Ergebnis der Umfrage berichten wir ausführlich in einer unserer nächsten Ausgaben. Allen, die mitgemacht haben, herzlichen Dank.




Wohin mit den Kähnen?

Ihre Meinung ist gefragt, liebe Leser: Wo soll die Schiffsbrücke sein?

"Einigkeit", "Recht" und "Freiheit" - aus diesen drei Kähnen nebst einigen Stegen bestand die Schiffsbrücke in der alten Wuppermündung. Das Ensemble am Rhein war ein beliebtes Ausflugsziel. Der "Förderverein Schiffsbrücke Wuppermündung" hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Aalschokker "Recht" und die Tjalk "Freiheit" sowie den Klipper "Einigkeit" wieder in Schuss zu bringen. Die Arbeiten auf einer Werft im niederländischen Lemmer sind fast beendet. Dann sollen die Schiffe zurückkehren. Aber wohin?

Völlig überraschend für den Verein entwickelte sich nämlich in den vergangenen Wochen eine Diskussion über den Standort. Der Verein pocht auf den alten, jenen in der alten Wuppermündung. Doch auch der Hitdorfer Hafen ist im Gespräch, ebenso die neue Wuppermündung.

Die Redaktion möchte Ihre Meinung, liebe Leserinnen und Leser, zu dieser Frage erfahren. Wohin soll die Schiffsbrücke, sollen die drei Schiffe und warum? Schreiben Sie uns oder faxen Sie uns:

"Leverkusener Anzeiger"
Redaktion
Stichwort: Schiffsbrücke
Friedrich-Ebert-Platz 5
51373 Leverkusen
Fax: 0214/83 10 37


Wir werden über das Ergebnis berichten und natürlich auch über die weitere Entwicklung in der Standort-Frage. (te)




Verein gegen neuen Standort

Förderverein Schiffsbrücke ist gegen neuen Standort für historische Kähne.

Die Geschäftsführerin des Fördervereins Schiffsbrücke Wuppermündung meldete sich zu Wort, nachdem in den vergangenen Wochen immer wieder über einen neuen Standort für die Schiffe "Einigkeit", "Recht" und "Freiheit" laut nachgedacht worden war. Der Förderverein will auf keinen Fall das Ensemble zerstört sehen und ebenfalls auf keinen Fall in der neuen Wuppermündung und schon gar nicht im Hitdorfer Hafen, wo die drei Schiffe nach ihrer Restaurierung in einer Werft im niederländischen Lemmer auf jeden Fall vorübergehend ankern sollen.

Eine Viertelmillion Euro seien bereits gesammelt worden, das Land, die Stiftung Denkmalpflege, Sparkasse, Bayer, die Firma Schwind hätten dazu beigetragen, aber auch viele Privatpersonen mit Spenden - alle auf der Basis des ursprünglichen Ziels: Standort alte Wuppermündung zwischen Wiesdorf und Rheindorf. (te)




Förderverein Schiffsbrücke
Klarheit gefordert

LEVERKUSEN (RP). Der Förderverein Schiffsbrücke Wuppermündung fordert von Stadt, Denkmalbehörden und Land Klarheit. Es geht um die Schiffsbrücke, die mit den drei alten Schiffen eigentlich wieder zurück zur alten Wuppermündung sollte. Dafür war schon so manche Fördermark vom Land geflossen. Jetzt gibt es neue Pläne, die Schiffe einzeln im Hitdorfer Hafen oder an der neuen Wuppermündung zu vertäuen. Bislang stand die gesamte Schiffsbrücke unter Denkmalschutz und nicht die einzelnen Schiffe.





Denkmalprojekt Schiffsbrücke

Förderverein bleibt auf Kurs

Das Ziel des Fördervereins war und ist, das Denkmalensemble Schiffsbrücke als Attraktion am Rheinufer zwischen Wiesdorf und Hitdorf in der alten Wuppermündung wieder herzustellen. Zu den im Gespräch mit den Fachbereichen der Stadt, den Denkmalbehörden und den in den Medien verbreiteten Äußerungen sagt der Vorstand nur eins: Der Förderverein bleibt auf Kurs.

Dem Verein ist es in den vergangenen Jahren gelungen, allein für die Grundsanierung der Schiffe Förderzusagen von insgesamt einer halben Million Mark bzw. 250.000 Euro zu bekommen. Zunächst half die Sparkasse, dann aber auch das Land NRW, die Nordrhein-Westfalen-Stiftung für Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz sowie die Firmen Schwind und Bayer - aber es halfen auch die vielen Spenden der Bevölkerung. Erst in diesem Jahr hat der Förderverein von den Bürgern rund 4.000 Euro gesammelt. Die Einmaligkeit des Denkmals Schiffsbrücke als Gesamtensemble, sein Ortsbezug und seine Eintragung in die Denkmalliste haben die Geldgeber veranlasst, seine Wiederherstellung in dieser Größenordnung zu unterstützen. Es ist daher für den Verein eine Verpflichtung, das angestrebte Ziel weiter mit aller Kraft zu verfolgen.

Während der Förderverein nach den Vorgesprächen davon ausgehen konnte, dass die Stadtverwaltung und die Denkmalbehörden das Konzept zur Wiederherstellung der Schiffsbrücke gut heißen, zeichnet sich jetzt eine grundlegende Änderung in ihrer Haltung ab: Der Denkmalwert soll zugunsten der Schiffe geändert werden. Der Verein sieht dann die Einmaligkeit des Denkmals gefährdet. Denn einzelne alte Schiffe gibt es auf dem Rhein genug, aber keine Schiffsbrücke. Seit fast 20 Jahren ist sie in der Denkmalliste der Stadt Leverkusen eingetragen. Niemand hat je an der Denkmalwürdigkeit des Ensembles gezweifelt. Plötzlich - während der fortgeschrittenen Phase der Restaurierungsarbeiten - ändert sich das. Der Förderverein verlangt jetzt von Stadt, Denkmalbehörden und Land Klarheit. Er braucht Planungssicherheit.

Gabriele Pelzer, Geschäftsführerin




Keine Brücke der Einigkeit

"Einigkeit" und "Recht" und "Freiheit": Jahrzehntelang bildeten die drei betagten Kähne eine Schiffsbrücke in der alten Wuppermündung in Bheindorf. So soll's auch wieder werden. Aber: Die Einigkeit zwischen Stadt und Eigentümer scheint getrübt.

VON MATTHIAS BAUSCHEN

Eigentümer ist der 1995 gegründete und 1996 beim Amtsgericht ins Register eingetragene "Förderverein Schiffsbrücke Wuppermündung". Er hat sich der drei Schiffe angenommen, die derzeit auf einer Werft in den Niederlanden zur Grundsanierung liegen; "Recht", ein Aalschokker, und "Freiheit", eine Tjalk, sind inzwischen restauriert, der Klipper "Einigkeit" ist in der Mache. Bereits 1983 wurde das Ensemble der drei durch einen Steg verbundenen Schiffe in die Denkmalliste eingetragen.

Untere und Obere Denkmalbehörde bei der Stadt und beim Landschaftsverband Rheinland haben damals und in der Folgezeit betont: Denkmalwert und ortsgeschichtliche Bedeutung lägen vor allem in der Brückenfunktion; die Schiffsbrücke stellte lange Zeit die einzige direkte Verbindung zwischen Wiesdorf und Rheindorf dar. Weil sich dort zudem eine kleine Gastronomie eingerichtet hatte, entwickelten sich die Wupperkähne zu einem beliebten Ausflugsziel. Zur Finanzierung der Restaurierungsarbeiten hat der Förderverein kräftig die Werbetrommel gerührt und Gelder zusammengetrommelt - Zuschüsse und Stiftungsgelder, aber auch Spenden von Bürgern, denen das erklärte Ziel, die Wiederherstellung des früheren Zustands spätestens im Jahr 2005, wenn Leverkusen Jubiläum und Landesgartenschau feiert, in Aussicht gestellt wurde. Rund 250 000 Euro sind bisher auf diese Weise zusammengekommen und investiert worden.

"Baut mit uns"

Noch in diesem'Sommer hat sich der Förderverein in einem Spendenaufruf an die "lieben Nachbarn in Rheindorf und Hitdorf" gewandt: "Baut mit uns die Schiffsbrücke wieder auf!" Nun scheint aber die Einigkeit zwischen der Stadt und dem Förderverein massiv gestört; heute Nachmittag soll ein Gespräch stattfinden, bei dem auch die Obere Denkmalbehörde vertreten ist. Für den Verein, wohlgemerkt: den Eigentümer der Schiffe, völlig überraschend hat nämlich die Stadt jetzt, da bei der Restaurierung Land in Sicht ist, offenbar Ansprüche erhoben und damit die seit sieben Jahren engagierten Vereinsmitglieder auf die Palme gebracht. Unter Missachtung der im eigenen Haus schriftlich fixierten Denkmalkriterien ist die Forderung laut geworden, die drei Kähne zum Jubiläumsjahr 2005 nicht wieder in der alten Wuppermündung als Schiffsbrücke anlegen zu lassen. Vielmehr sollen sie als Einzelobjekte am Rheinufer in Hitdorf vor Anker gehen.

Siehe Kommentar

Schiffsbrücke
Die Rheindorfer Schiffsbrücke mit (v.l.) "Einigkeit", "Freiheit" und "Recht" in der alten Wuppermündung als beliebtes Ausflugsziel mit Gastronomie - ein herrlicher Sommertag im Jahr 1986. BILD: ARCHIV



Kölner Stadt-Anzeiger vom 06.12.2002 - Kommentar

SCHIFFSBRÜCKE

Moral über die Wupper?

Der Fall ist eigentlich glasklar: Dem Ensemble und nicht den einzelnen Kähnen gilt die erste Wertigkeit im Denkmalschutz. Drum ist die Schiffsbrücke als "einer der letzten heute noch erlebbaren Flussübergänge dieser Art" wieder herzustellen: die drei Schiffe in ihrer ursprünglichen Gestalt und Funktion. Und an historischem Ort, in der alten Wuppermündung.

Völlig unverständlich ist deshalb das Störfeuer, das aus dem Rathaus kommt. Die Stadt muss sich einige Fragen gefallen lassen. Will sie sich jetzt, da der Erfolg siebenjähriger Arbeit des Fördervereins greifbar nahe ist, ins gemachte Nest setzen, mit fremden Federn schmücken? Will sie mit hehren Worten beschworenes ehrenamtliches Engagement im konkreten Fall mit Füßen treten? Setzt sie sich - darf sie das überhaupt - über selbst fixierte Denkmal-Kriterien hinweg? Wieso maßt sie sich das Recht an, über privates Eigentum zu befinden? Schließlich: Haben alle vergangenen Bemühungen, in dieser Stadt ein historisches Bewusstseins zu wecken und zu fördern, so wenig gefruchtet, dass derart geschichtslose Ideen wie die Transplantation der alten Wupper-Schiffsbrücke in den Rhein zu Hitdorf möglich sind?

Auch die Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel - die der Stadt als unterer Denkmalbehörde, aber vor allem die des Fördervereins. Denn der hat Geld gesammelt bei Zuschussgebern und bei Bürgern unter dem eindeutigen Vorzeichen: Die Schiffe werden wieder das, was sie ehedem waren, das Steganlagen-Ensemble in der alten Wuppermündung. Alles andere würde nun als grobe Täuschung empfunden. Was wen auch immer umgetrieben haben mag, die historische Authentizität derart zu hintertreiben, möglicherweise gar ein parteipolitisches Süppchen zu kochen: Keine Chance! Aus sachlichen Gründen - und aus solchen der Moral. Oder ist die schon über die Wupper?

MATTHIAS BAUSCHEN